Die Beurteilung unserer Art

07. Juni 2017 von | Kategorie(n): Kurzgeschichten

Die Beurteilung unserer Art

Die TĂŒr des Thronsaals öffnete sich, ein Berater trat ein: „Euer Gnaden“, sprach er den Imperator an. „Wir konnten eine Sonde dieser Menschen – so nennen sie sich – an Bord unseres Schiffes bringen. Da wir schnell herausfanden, dass die Sonde fĂŒr Forschung unterwegs ist, ließen wir diese auf ihre Umlaufbahn zurĂŒck. Allerdings hat das Bergungsteam eine goldene, kreisförmige Scheibe demontiert. Sie scheint Informationen ĂŒber die Menschen zu enthalten.“ Der Imperator hakte nach: „Wird die, von ihnen beschriebene Scheibe, entschlĂŒsselt?“ „Dies sollte kein Problem darstellen. Die Technologie dieser Art ist primitiv. DarĂŒber hinaus haben sie uns Informationen ĂŒber die EntschlĂŒsselung mitgegeben.“

Der Imperator erhob sich, der Berater kniete nieder. „Weiter“ Der kniende Helfer fuhr fort: „Einige Informationen ließen sich bereits ablesen, zum Beispiel die Lage ihres Sternes.“ „Dies ist fĂŒr uns nicht von Bedeutung.“, erwiderte der Befehlshaber. „Nun, Euer Ehren, dann solltet Ihr warten, bis die Scheibe entschlĂŒsselt ist.“ Der Imperator, Vertreter der Mhaxeb sowie Protektor der gerechten intergalaktischen Kommunikation, gab seiner Beratung den Befehl, mit der entschlĂŒsselten Scheibe zu ihm zu treten, um sich dem Inhalt dieser anzunehmen.

So geschah es. Nicht lange dauerte es, da wurde die SaaltĂŒr erneut geöffnet und der Berater sowie ein kleines Team an Wissenschaftlern schritten herein. Sie hörten und sahen sich an, was die goldene Platte an Informationen hergab. Kein Leiden, kein Krieg? Ist das war?, dachte der Protektor. Außerdem bemerkte er: „Sie sprechen viele, völlig unterschiedliche Sprachen. Beeindruckend. Überdies scheint ihre Umwelt sehr vielfĂ€ltig, hört die vielen Tier laute.“

Der Imperator und die Wissenschaftler verbalisierten noch einige Zeit ĂŒber den Fund. Dann trat einer der Analysatoren nach vorne und sprach: „Die WĂŒrdigkeitsrate steht nach der Analyse dieser Daten bei 92%!“ „Sehr erfreulich!“, erwiderte der Imperator. „Steuert ihren Planeten an.“

Nach 10000 intergalaktischen Zeiteinheiten war die Erde in Sichtweite. Sie wurde dem Imperator als Hologramm in der Mitte seines Thronsaals gezeigt. Mit Gesten konnte er den Globus drehen, heranzoomen und so weiter. Er suchte sich einen geeigneten Landeplatz. Der Berater eilte herein, worauf der Befehlshaber stolz verkĂŒndete: „Es soll ein Tochterschiff vorbereitet werden. Ich werde die Menschen besuchen.“ „Euer Ehren…“, begann der Helfer zögerlich. „Ich fĂŒrchte, auf diesem Planeten ist eben nicht alles perfekt.“ „Welchen Grund können Sie fĂŒr Ihre Bedenken anfĂŒhren?“ „Es ließen sich Signale abfangen. Besser wĂ€re es einen Roboter vorzuschicken.“, schlug die Beratung vor. Der Protektor willigte ein.

Der Roboter kreiste um die Erde, sammelte Informationen, sendete diese an das Mutterschiff. Der Imperator hörte, wie einer der Analysatoren verkĂŒndete, dass die WĂŒrdigkeitsrate sinkt und sinkt. Schließlich lag diese bei nur noch 4%.

„Was machen wir jetzt mit diesen Menschen?“ Der Berater sprach: „Im Allgemeinen hat diese Art noch viele Probleme. Sie befinden sich im Computerzeitalter und mĂŒssen noch viele ethische Fragen beantworten vor allem im Zusammenhang mit Computern. DarĂŒber hinaus ist der Wohlstand einschließlich der Nahrung ungerecht verteilt.“ „Damit haben auch wir noch zu kĂ€mpfen! Die Mhaxeb und die Menschen könnten dieses Problem zusammen angehen.“, warf der Imperator ein. Doch der Untergebene fuhr fort: „Die Bevölkerung der Erde hat ein viel schlimmeres Problem: Sie bekriegen sich gegenseitig. Zum einen kĂ€mpfen sie gegen Diktatoren, was durch aus gut ist, zum anderen jedoch kĂ€mpfen sie aufgrund ihrer Religion. Sie verstehen noch nicht, was man unter einem Gott versteht… Und, Euer Gnaden, bedenken sie, dass wir mit einer Lebensform, deren Rate unter 25% liegt nicht kommunizieren dĂŒrfen. Die Menschen benötigen noch viele Erdenjahre, um sich entsprechend zu entwickeln.“

Anmerkung: Die goldene Scheibe (Voyager Golden Record), welche sich auf der Voyager Sonde befindet, wurde kritisiert, da die Informationen auf dieser Scheibe einseitig und damit nicht wahrheitsgemĂ€ĂŸ seien. Zu einer umfassenden Darstellung der Menschheit gehören (leider) auch Kriege, Umweltprobleme (z.B. die Verschmutzung der Ozeane) und hungernde Menschen.

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